17.05.2011, 11:17 Uhr | cst; ZDF
Kirsten ist 47 Jahre alt und hatte vor 25 Jahren einen Schwangerschaftsabbruch, der sie lange beschäftigte. (Foto: ZDF/Bettina Jänchen)
Abtreiben oder austragen? Ein Schwangerschaftsabbruch ist auch Jahrzehnte nach der Reform des so genannten Abtreibungsparagrafen noch immer ein gesellschaftliches Tabu. Wie gehen ungewollt schwangere Frauen mit diesem schwierigen Entscheidungsprozess um? Der Film aus der ZDF-Dokureihe "37 Grad" hat drei Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen mit der Kamera begleitet.
Die Studentin Alex (28) ist geschockt. Von ihrem Frauenarzt hat sie erfahren, dass die Spirale verrutscht und sie schwanger ist. Ausgerechnet jetzt, wo sie mitten im Studium ist und ihr Freund in Neuseeland ist, ebenfalls in der Ausbildung. Was wird er dazu sagen? Kann er sich jetzt schon vorstellen, Vater zu werden? Alex quälen Fragen. Soll sie das Kind bekommen oder einen Abbruch vornehmen lassen? Soll sie die Eltern einweihen? Und wie wird ihr Umfeld reagieren, ihre Freunde, ihr Bruder? Sie ist hin- und hergerissen, vertraut sich aber schließlich ihren Eltern an. Mit deren Unterstützung versucht Alex, eine Entscheidung zu treffen, die sich für sie "richtig anfühlt".
Alex gehört zu den tausenden deutschen Frauen, die jedes Jahr ungewollt schwanger werden und sich mit der Frage quälen, ob sie abtreiben sollen oder nicht. 2009 wurde jede achte Schwangerschaft vorzeitig beendet, insgesamt 110.000 Mal. Vier Jahrzehnte ist es her, dass viele - auch prominente - Frauen sich öffentlich zur Abtreibung und gegen die Kriminalisierung durch den Paragrafen 218, Strafgesetzbuch bekannten und so eine Gesetzesänderung erreichten. Danach ist der Abbruch zwar nach wie vor rechtswidrig, bleibt aber in den ersten drei Monaten straffrei, wenn sich die Frau vor der Abtreibung ausführlich beraten lässt.
Die Frauen haben es also "leichter" als früher, einen Abbruch vornehmen zu lassen. Aber machen sie es sich auch leichter? Auch heute noch ist der Schwangerschaftsabbruch ein gesellschaftliches Tabuthema, belastet mit Schuldgefühlen und Selbstzweifeln. Kirsten hat vor 25 Jahren einen Abbruch vornehmen lassen. Der mittlerweile 47-Jährigen war die Entscheidung sehr schwer gefallen, doch ihr damaliger Mann und sie waren sich einig: Mit 22 Jahren ein drittes Kind, und beide mitten im Studium, das schaffen sie nicht. Dennoch war der Abbruch für sie problematisch: "Ich bin da hingegangen wie zur Hinrichtung." Noch lange nach der Abtreibung plagte sie ein schlechtes Gewissen, das sie erst durch eine Therapie in den Griff bekommen konnte. Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist sie Mutter von fünf Kindern und mit sich und dem abgetriebenen Kind im Frieden.
Maria (29) ist geschieden, lebt mit ihrem sechsjährigen Sohn alleine. Sie hat gerade an der Uni eine Viertelstelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, lebt von Zeitvertrag zu Zeitvertrag. Seit einem Jahr hat sie einen neuen Freund, eine neue Hoffnung. Ende letzten Jahres merkt sie, dass sie schwanger ist. Sie freut sich, mit einer Mischung aus Panik, und wartet auf einen geeigneten Moment, um es ihrem Freund zu sagen. Als er die Neuigkeit hört, verlässt er ihre Wohnung. Maria weiß: Nun steht sie wieder ganz alleine da. Wie soll das werden? Mit problematischen Arbeitsverhältnissen und zwei Kindern?
Alex ist hin- und hergerissen. Freunde und Eltern machen ihr Mut, sich für das Kind zu entscheiden. Doch was sagt ihr Freund? Nach langem Abwägen ist klar: Das Kind soll auf die Welt kommen. Alex' Frauenärztin meint, dass die moderne Medizin es Frauen heute schwerer mache, sich für eine Abtreibung zu entscheiden, weil der Anblick eines schlagenden Herzen und des lebenden Embryos, sei er auch so klein wie ein Gummibärchen, die Frauen doch stärker unter Druck setze.
Auch Maria ringt mit der Entscheidung. Die Verbindung zu dem Kind sei sofort da gewesen, sagt sie, auch die Hormone haben wohl eine Rolle gespielt. Im Gegensatz zu Alex mangelt es ihr jedoch an Unterstützung. Alleinerziehend mit zwei Kindern und unsicherem Job, das ist Maria zu viel. Nach dem obligatorischen Beratungsgespräch lässt sie sich einen Termin für ein zweites Gespräch geben, weil sie ganz sicher sein will. Am Abend hält sie Zwiesprache mit ihrem Kind, gibt ihm einen Namen, entschuldigt sich. Die Entscheidung für die Abtreibung ist gefallen. Aber: "Es musste schnell gehen, weil ich es sonst nicht mehr hätte tun können."
Die "37 Grad"-Dokumentation zeigt, dass es die Frauen durch die heutige Gesetzeslage zwar einfacher haben, einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen, dass sich aber dennoch keine Frau eine solche Entscheidung leicht macht. Der Film geht der Frage nach, wie und nach welchen Kriterien sich Frauen heute für oder gegen eine Abtreibung entscheiden und wie sie ihre Entscheidung im Rückblick beurteilen.
Quelle: t-online.de
Mia schrieb:
am 29. Juni 2011 um 21:08:06
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@ Mima
Keins. Ich bin nicht zu blöd, um ne Pille zu schlucken. Davon abgesehen - Selbst wenn ich zu doof dazu wäre, würde ich mit
Sicherheit nicht mein eigenes Kind umbringen lassen. Eher würde ich mich selbst umbringen als mein eigenes Kind. Davon abgesehen - Der Schrott mit "ohne Unterstützung" zeigt nur, in welcher Art von Realität du lebst - Das ist ein Wohlstandskommentar hoch 18! Der biol. Vater ist zu Unterhaltszahlungen verpflichtet; von Kindergeld und sonstigen Leistungen gar nicht zu
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Lisa schrieb:
am 19. Mai 2011 um 17:45:18
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Schwangerschaftsabbruch
Ich bin der Meinung, dass dies jeder selber entscheiden muss und es schon schlimm genug ist, überhaupt in der
Situation zu sein, um über eine Abtreibung nachdenken zu müssen.
Ich kann aber die Alleinerziehende Mutter verstehen, dass sie nicht noch ein Kind ohne Vater großziehen möchte/kann.
Warum diskutiert Ihr darüber, es geht uns nichts an, wie wer und warum entscheidet, wir sollten alle vor unsere Tür kehren!
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Susi schrieb:
am 19. Mai 2011 um 13:38:39
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Mima
Naja, wenn man verhindern will, dass ein Baby kommt, kann man ja auch verhüten. Erst munter drauflospoppen, hinterher rumheulen und
dann abtreiben ist eine ziemlich besch.... Lösung.
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